
Mit fünf Jahren hielt ich meine erste Kelle in der Hand und durfte Jahr für Jahr bei der Sanierung unseres Wohnhauses mithelfen. Aus dieser Zeit sind mir viele schöne Momente und wertvolle Lehren geblieben, von denen ich bis heute profitiere.
Gemeinsam mit meinem Vater durfte ich nahezu jedes Handwerk ausprobieren – vom Abriss bis zum neuen Bitumendach der alten Feuerwehr. Seit 1994 haben meine Eltern – und ein Stück weit auch ich – dieses Gebäude Schritt für Schritt in ein schönes Zuhause verwandelt.

Wenn mich heute jemand fragt, was ich noch nicht selbst angefasst habe, fällt die Antwort ziemlich kurz aus. Neben meinem lebenslangen praktischen Bauen habe ich mir immer wieder auch die notwendige Theorie angeeignet.
Noch vor meinem Architekturstudium absolvierte ich die Ausbildung zum Bautechniker. Seitdem kann ich einfache statische Berechnungen und Klimanachweise erstellen. Während der Ausbildung lernte ich außerdem das Verlegen von Fliesen im Dickbettverfahren, den Trockenbau und das Mauern.
Natürlich musste ich das Gelernte sofort zu Hause ausprobieren. Meine erste Sichtklinkerwand hatte allerdings so große Fugen, dass wir sie anschließend verputzt haben. Auch das gehört zum Bauen – ausprobieren, Fehler erkennen und daraus lernen.

Heute, mit über 35 Jahren, kann ich sagen: Auf der Baustelle erschüttert mich so schnell nichts mehr.
Ich habe die Tiefbauarbeiten für eine 9.000 m² große Halle mit Vorschlaghammer, Holzpflöcken und präzisem Augenmaß abgesteckt. Ich habe Dächer von DDR-Sporthallen geöffnet, bei denen der Mörtel offenbar vergessen worden war und die deshalb seit Jahrzehnten einsturzgefährdet waren. Für einen Bauherrn habe ich Gestattungsanträge bei der DB Immobilien eingereicht und anschließend das Durchschießen der Leitungen unter den Bahnanlagen begleitet.
Und das sind nur einige Stationen. Mittlerweile erscheint mir meine Reise beinahe endlos – nicht, weil kein Ziel erkennbar wäre, sondern weil es noch so viel zu entdecken, zu planen und umzusetzen gibt.
Was kommt als Nächstes, nachdem ich so viel ausprobiert, gebaut, projektiert und visioniert habe?
Mein Ziel bleibt klar: Traditionen sind ein Schlüssel für die Architektur von morgen – genauso wie moderne Methoden und das bewusste Erleben von Raum, sei es beim Wohnen oder bei der Arbeit. Das Besondere entsteht dort, wo Räume Menschen anziehen, berühren und ihnen das Gefühl geben, am richtigen Ort zu sein.
Ich möchte die Kultur und das Wissen des Steinmetzhandwerks in eine moderne Architektursprache übersetzen. Daraus sollen Low-Tech-Gebäude entstehen, die wieder mit klaren Monokonstruktionen auskommen und ihre Qualität nicht durch technische Überlagerung, sondern durch Material, Fügung und Raumwirkung entfalten.
Mein Ziel ist es, die Kunst der Gotik in die Einfachheit der Moderne zu übertragen – nicht als sichtbares Zitat, sondern als Haltung: präzise Konstruktionen, ehrliche Materialien, klare Kräfteverläufe und Räume, deren Wirkung man spürt, bevor man sie erklären kann.
