Ab wann brauche ich die VgV?

Diese Frage höre ich als Architekt regelmäßig von Bauherren.

Die kurze Antwort lautet: Die meisten privaten Bauherren brauchen die VgV überhaupt nicht.

Wer sein Eigenheim baut, eine Halle errichtet, ein Vereinsheim saniert oder sein Unternehmen erweitert, kann seine Planer und Handwerker grundsätzlich frei beauftragen. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht.

Öffentliche Bauherren

Städte, Gemeinden, Landkreise, Universitäten oder öffentliche Unternehmen müssen Vergaberecht anwenden. Je nach Auftragswert gelten unterschiedliche Verfahren. Hier unterscheidet man zwischen:

  • Unterschwellenvergabe
  • Oberschwellenvergabe (VgV)

Je höher der Auftragswert, desto formaler und umfangreicher wird das Verfahren.

Private Bauherren

Private Bauherren müssen die VgV normalerweise nicht anwenden. Trotzdem gelten einige Grundregeln:

  • wirtschaftlich handeln
  • Angebote vergleichen
  • Entscheidungen dokumentieren
  • Förderbedingungen beachten

Denn auch wenn kein Vergaberecht gilt, möchte niemand später erklären müssen, warum das teuerste Angebot ohne nachvollziehbaren Grund beauftragt wurde.

Der häufigste Sonderfall: Fördermittel

Spannend wird es bei Fördermitteln. Erhalten Sie öffentliche Fördergelder, kann es passieren, dass Sie plötzlich vergaberechtliche Vorgaben einhalten müssen – obwohl Sie eigentlich privater Bauherr sind. Ob das notwendig ist, hängt unter anderem ab von:

  • Art des Förderprogramms
  • Höhe der Förderung
  • Förderbedingungen
  • Vorgaben des Fördermittelgebers

Viele Fördermittelbescheide enthalten hierzu konkrete Anforderungen.

Die wichtigste Erkenntnis

Nicht die Größe Ihres Bauvorhabens entscheidet, ob die VgV anzuwenden ist.

Entscheidend ist:

Wer ist Bauherr?
Woher kommt das Geld?
Wie hoch ist der Auftragswert?

Wer diese drei Fragen beantworten kann, weiß meist schon sehr schnell, welche Regeln gelten.

Unsicher?

Vergaberecht, Fördermittel und Schwellenwerte ändern sich regelmäßig. Bevor Sie einen Fehler machen, der später Zeit, Geld oder Fördermittel kostet:

Fragen Sie lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Ein kurzes Gespräch reicht oft aus, um Klarheit zu schaffen.

Kai Seiffarth | 0176-41736870 | atelier@seiffarth.art