Erstes Jahr Selbständigkeit

Meine Learnings und die steile Lernkurve dahinter

Vor einem Jahr habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Heute kann ich sagen: Ich würde es wieder tun.

Ich genieße die Freiheit, meinen Arbeitsalltag selbst zu gestalten. Keine Diskussionen mehr über Urlaubsanträge, keine Unsicherheit darüber, ob Prozesse irgendwo hängen geblieben sind. Stattdessen Verantwortung, Gestaltungsspielraum und die Möglichkeit, Dinge so umzusetzen, wie ich sie für richtig halte.

Natürlich musste sich auch mein Umfeld daran gewöhnen. Meine Frau war selbst vier Jahre selbstständig und kannte viele Herausforderungen bereits. Unsere Kinder wachsen ganz selbstverständlich in dieses Leben hinein. Was für andere ungewöhnlich wirkt, ist für sie inzwischen Alltag.

Was ich vorher nicht wusste

Der Druck ist enorm.

Nicht nur die wirtschaftliche Lage fordert Unternehmerinnen und Unternehmer heraus. Vieles hängt weniger von Talent oder Qualifikation ab, als ich früher angenommen hätte. Sichtbarkeit, Netzwerke, Timing, Glück und vor allem konsequentes Handeln spielen eine größere Rolle, als man es sich am Anfang eingestehen möchte.

Heute würde ich sagen: Erfolg entsteht nicht allein durch Können. Erfolg entsteht durch Beharrlichkeit.

Herausforderungen, die mich wachsen ließen

Eine der wichtigsten Erkenntnisse war, dass nicht jeder dein Bestes möchte.

Viele Menschen finden spannend, was man aufbaut. Manche möchten Teil davon sein. Einige hoffen sogar, vom Erfolg zu profitieren, ohne selbst Verantwortung oder Risiko zu übernehmen.

Gerade für jemanden wie mich, der gerne Menschen unterstützt und Potenziale sieht, war das eine harte Lektion.

Ich musste lernen, mich schneller von Konstellationen zu trennen, die nicht funktionieren. Nicht aus Härte, sondern aus Respekt gegenüber der gemeinsamen Zeit.

Die richtige Zusammenarbeit entsteht dort, wo Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam zu wachsen.

Geld ist wichtig – aber nicht das Wichtigste

Über Geld spricht man als Gründer oft zu wenig. Das erste Jahr ist selten so wirtschaftlich, wie man es sich vorstellt. Es gibt Investitionen, versteckte Kosten, Software, Versicherungen, Beratung, Infrastruktur und viele Entscheidungen, die zunächst Geld kosten, bevor sie Geld verdienen. Dazu kommen Menschen und Unternehmen, die hervorragend darin sind, einem Lösungen zu verkaufen, die man eigentlich gar nicht braucht.

Verhandeln wurde deshalb zu einer Schlüsselkompetenz für mich.

Dabei habe ich Lehrgeld bezahlt – manchmal mehr, als mir lieb war. Rückblickend waren diese Erfahrungen jedoch wertvolle Investitionen in mein eigenes Unternehmerdenken.

Persönlichkeitsentwicklung passiert nicht von allein

Eine weitere Erkenntnis aus diesem Jahr: Menschen ändern sich nicht einfach so. Wer wachsen möchte, braucht Reibung. Menschen, die widersprechen können. Menschen, die Resonanz erzeugen. Menschen, die einen aushalten, wenn man selbst gerade nicht die beste Version seiner selbst ist. Gerade meine laufende Psychoanalyse hat mir gezeigt, wie schwierig echte Veränderung ist – und gleichzeitig, wie wertvoll sie werden kann.

Entscheidungen, die alles verändert haben

Die wichtigste Entscheidung war für mich der Aufbau eines Teams. Mitarbeitende verursachen Kosten. Das ist die nüchterne wirtschaftliche Wahrheit. Gleichzeitig waren sie einer der größten Hebel für mein Unternehmen.

Vorher stand ich gefühlt vor einem riesigen Berg an Aufgaben, Prozessen und Entscheidungen, die alle gleichzeitig erledigt werden wollten. Heute weiß ich: Der größte Erfolgsfaktor sind nicht Software, Automatisierung oder KI. Der größte Erfolgsfaktor sind Menschen.

Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Menschen, die mitdenken.
Menschen, die gemeinsam Lösungen entwickeln.

Der größte Erfolgsfaktor sind Menschen.

Vor einigen Jahren wollte ich alles digitalisieren.

  • Alles automatisieren.
  • Alles mit BIM, KI und modernen Prozessen lösen.

Diese Begeisterung ist geblieben. Die Werkzeuge sind besser geworden als je zuvor. Aber mein Blick hat sich verändert. Heute suche ich nicht mehr nach Technologien, die Menschen ersetzen. Ich suche nach Menschen, die mit Technologie wachsen wollen. KI, Digitalisierung und Automatisierung sind für mich keine Lösung mehr. Sie sind Werkzeuge. Die eigentliche Lösung bleibt der Mensch. Deshalb geht es mir heute weniger um Geschwindigkeit und mehr um Sicherheit. Weniger um Effizienz um jeden Preis und mehr um nachhaltige Ergebnisse. Weniger um technische Perfektion und mehr um Zusammenarbeit.

Nach einem Jahr Selbstständigkeit bin ich nicht nur Unternehmer geworden. Ich bin geduldiger geworden. Klarer. Und vielleicht auch etwas menschlicher.

Die Lernkurve war steil. Und genau deshalb freue ich mich auf das, was noch kommt.

Kai Seiffarth | 0176 417 368 70 | atelier@seiffarth.art | https://seiffarth.art/